Lese Tipp der Bücherecke unserer Kirchengemeinde

NIMM UND LIES : Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor
(Voltaire 1694 1778)

 

Gabriel García Márquez: Die Liebe in Zeiten der Cholera

Ich bin nun nicht der Literaturkenner, empfehlen möchte ich aber trotzdem eines meiner Lieblingsbücher. Es ist nicht neu, aber es passt in die Zeit und ist auch so umfangreich, so dass man zumindest einige Tage zum Lesen braucht: Die Liebe in den Zeiten der Cholera (El amor en los tiempos del cólera)

Es beginnt mit dem Tod eines Fotografen. Die zentrale Handlung ist die  Liebe eines Mannes zur Frau seines Lebens, die ihn aber nicht erhört. Erst einige Jahrzehnte später, als beide alt geworden sind, kommen sie zueinander, in Zeiten als die Cholera wütet. Ich habe den Roman schon mehrmals gelesen.

Joachim Siener

April 2020


Nino Haratischwili: Das achte Leben (für Brilka)
Frankfurter Verlagsanstalt 2014

Auf mehr als 1250 Seiten wird die Geschichte einer georgischen Familie erzählt, die sechs Generationen umfasst, sich über das gesamte zwanzigste Jahrhundert erstreckt und an die Biografie der Autorin angelehnt ist.
Die oft unglaublich anmutende Geschichte Georgiens von der Revolution über Kriege, den Stalinismus mit seinen Säuberungen bis zum Ende des Kalten Krieges bildet einerseits den Hintergrund der Geschichte, ist andrerseits wesentlich für die Handlung und die Entwicklung der Personen.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist der „Fluch der Schokolade“. Nach dem Rezept des Ururgroßvaters der Erzählerin wird in entscheidenden Momenten immer wieder eine verhängnisvolle heiße Schokolade zubereitet, die zwar überirdisch lecker schmeckt und zu einer Art Ekstase führt, aber alle, die sie probiert haben, ins Unglück gestürzt hat.
Die Autorin erzählt farbig, spannend, mit einer ganz eigenen Bildersprache, ohne die LeserIn auch nur auf einer der vielen Seiten zu langweilen.
Genua das Richtige, wenn man viel Zeit hat.

Nino Haratischwili wurde 1983 in Tiflis, Georgien, geboren. 2003 kam sie nach Deutschland und studierte u. a. Regie in Hamburg. Nino Haratischwili schreibt Prosatexte und Stücke in deutscher
Sprache.

Noch ein praktischer Tipp:
Wem der Lesestoff ausgeht, der/die sollte neue Bücher nicht über Amazon bestellen, sondern bei der örtlichen Buchhandlung telefonisch oder online. Die meisten Buchhandlungen haben Liefer- und Kurierdienste. So können wir örtliche Buchhandlungen unterstützen helfen.

Elisabeth Schneeweiß-Bauer

März 2020

"Nimm und lies!" Büchertauschecke in der Pauluskirche

Im Eingangsbereich unserer Pauluskirche gibt es eine Bücherecke. Dort können zu den Öffnungszeiten der Kirche (Montag/Mittwoch-Freitag 10.00 -17.00 Uhr und Samstag 10.00 -12.00 Uhr) Bücher entweder selbständig getauscht oder auch gegen eine entsprechende Spende erworben werden. Zudem ist die Bücherecke jeden Freitag von 16.00-18.00 Uhr von ehrenamtlichen Mitarbeitenden betreut. Zu der Zeit werden gut erhaltene Bücher entgegengenommen.

Nähere Infos: Dieter Kümmel (Tel. : 87 24 14).

Nimm und lies – Bücherecke in der Pauluskirche

Die Krise des Buchmarkts hat auch vor Zuffenhausen nicht Halt gemacht und dazu geführt, dass die einzige Buchhandlung am Ort vor einiger Zeit schließen musste. Immer weniger KäuferInnen fanden den Weg dorthin.
Andererseits klagen viele LeserInnen über wachsende Bücherstapel. Denn Bücher wegwerfen und in der Tonne entsorgen wie ein altes Paar Schuhe, das bringen die wenigsten übers Herz. Dieses Phänomen führte auch schon andernorts zu so genannten Büchertauschecken. Vor etwa fünf Jahren kamen auch in Zuffenhausen ein paar engagierte Menschen auf die Idee, einen Ort zu schaffen, wo man Bücher tauschen und erwerben kann. Das war die Geburtsstunde der Büchertauschecke in der Pauluskirche.
Im Eingangsbereich der Pauluskirche wurden Regale errichtet – von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt. Eine Gruppe von ca. zwölf Freiwilligen erklärte sich bereit, sich das ganze Jahr über um die Bücherecke zu kümmern. Die Regale sind seither immer gefüllt, die Bücherecke wurde in kurzer Zeit gut angenommen.
Im Idealfall nimmt man ein Buch im Tausch gegen ein anderes mit. Auch eine Spende ist möglich. Allerdings werden weit mehr Bücher gebracht als mitgenommen.
Was am besten »geht«, sind Krimis aller Art, aktuelle und historische Romane, Bilderbücher, Biografien, neue Reiseführer. Gewünscht sind natürlich gut erhaltene Bücher, abgegriffene mit Omas Randnotizen mag niemand mitnehmen.
Jeden Freitagnachmittag sind zwei Ehrenamtliche vor Ort zum Betreuen der Bücherecke und zum Austausch mit den BesucherInnen. Bei einer Tasse Tee oder Kaffee kann man ins Gespräch kommen über Bücher, die man gerade gelesen hat sowie auch über andere Themen.
Da die Kirche täglich außer dienstags geöffnet ist, ist der Büchertausch auch unter der Woche möglich.
Bücher bereichern unser Leben mit neuen Ideen, regen an zum Nachdenken und zum Gespräch, sind unverzichtbar für Fantasie und Reflexion. Aus diesem Gedanken heraus hat sich parallel zu der Büchertauschecke eine Veranstaltungsreihe entwickelt: Das Team der Ehrenamtlichen organisiert etwa sechsmal im Jahr Lesungen. In den vergangenen Jahren gelang es, renommierte AutorInnen einzuladen: Wolfgang Schorlau, Erhard Eppler, Inge Jens, Rainer Moritz, Adrienne Braun, Christian Lehnert, Sybille Knauss und andere waren schon zu Gast. Ob aktueller Krimi oder Autobiografie, Briefe über das Leben mit einem Demenzkranken oder Liebesroman – die breite Palette an Themen und Genres stößt auf großes Interesse. Neben dem Bedürfnis, Bücher zu lesen, steht offenbar auch der Wunsch nach unmittelbarer Begegnung mit denen, die sie schreiben. Das Besondere an diesen Lesungen: Sie werden musikalisch begleitet, häufig von Werner Lener, dem bekannten Jazzpianisten.
Eine weitere Aktivität der Bücherecke sind die Lesungen beim Adventsmarkt – im Turm und in der Kirche.
In seinen autobiografischen »Bekenntnissen« hat der Kirchenvater Augustinus geschildert, wie er mithilfe der Bibel zum Christentum fand. Ratlos und verzweifelt arbeitet er sich durch einen Wust an weltanschaulichen Angeboten, als er im Jahr 386 in einem Mailänder Garten eine Stimme hörte, die rief: »Tolle, lege!« – »Nimm und lies!« Es waren die Briefe des Paulus, die er dann aufschlug.
Augustinus’ berühmter Ausspruch wurde zum Motto für die Bücherecke in der Pauluskirche.
Kommen Sie vorbei, schauen Sie sich um und lassen Sie sich inspirieren von der Welt der Bücher.


Elisabeth Schneeweiss-Bauer