66 Jahre Kindergarten »In der Sandgrube«

Unser Kindergarten ist eine 1-gruppige Einrichtung für Kinder im Alter von 2-6 Jahren. Er ist auch ein Begegnungsort für Familien mit Kindern, die in unmittelbarer Nähe wohnen. So werden viele Kontakte untereinander geknüpft, die auch nach der Kindergartenzeit weiter bestehen. Das verleiht ihm eine familiäre Atmosphäre. Viele der Eltern waren als Kinder hier und kamen später mit ihren eigenen Kindern wieder.
Auch ehemalige Kindergartenkinder fanden immer wieder den Weg zurück, um ein Sozial- oder Berufsorientiertes Praktikum zu machen. Einige von ihnen entschieden sich für den Beruf als Erzieherin, absolvierten im Kindergarten ihr Berufspraktikum und wurden so zu Kolleginnen.
Sie erinnerten sich gerne an ihre Kindergartenzeit. Es war ihnen wichtig, zu erfahren, ob es noch die verschiedenen Projekte gibt, bei denen sie sich mit ihren Interessen und Stärken einbringen konnten. In Kinderkonferenzen konnten die Kinder Entscheidungen treffen, Regeln aufstellen und Meinungen äußern. Mit der Einführung der Bildungs- und Lerngeschichten erhielt die Projektarbeit noch mehr an Bedeutung.
Erfreulich war die hohe Bereitschaft der Eltern, sich einzubringen.
So entstanden neben den bisher bestehenden Projekten im Rahmen der christlichen Feste, dem Sommerausflug oder dem Fest für die Schulabgänger, Projekte, bei denen sich auch die Eltern
einbringen konnten. Hier sei vor allem der »Eltern-Mitmach-Tag« erwähnt, bei dem neben den Eltern auch Großeltern, Paten, ältere Geschwister mitmachen konnten.
Als Teil der Kirchengemeinde feierten wir gemeinsame Gottesdienste und Feste und besuchten die Senioren in ihrem Treffpunkt in der Sandgrube. Das Miteinander der Generationen war bei unserem 50-jährigen Jubiläum 2005 sehr beeindruckend. Bei diesem Fest wirkten neben dem Kindergarten auch die Seniorengruppe und der Kirchenchor mit. Es war ein Höhepunkt mit vielen geladenen und willkommenen Gästen und für die Kinder gab es eine Traktorfahrt als besondere Attraktion.
Mit der Rumänisch-Orthodoxen Kirche verband uns eine gute Nachbarschaft. Gespannt sahen die Kinder dem Läuten der Kirchenglocken zu, wenn unter der Woche Gottesdienst gefeiert wurde, oder machten gemeinsam mit Pfarrer Volkmar Rupp Kirchenbesuche, um uns gegenseitig kennen zu lernen.
Ein besonderes Ereignis war die Pflanzaktion eines Apfelbäumchens im Lutherjahr 2017 im Gewann Auf dem Rücken. Wir übernahmen die Patenschaft. Ein Schild vor dem Bäumchen weist darauf hin.
Mit einem beständigen Team mit wenig Personalwechsel konnte eine Kontinuität in unserer Arbeit stattfinden. Alle Mitarbeitenden in den 66 Jahren haben dazu beigetragen, dass stets ein Gefühl
der Zugehörigkeit für alle entstehen konnte.
Unser Dank geht auch an alle, die uns im Alltag über die vielen Jahre unterstützt und dazu beigetragen haben,, dass sich alle wohl fühlten.

Kindergartenleiterin Marianne Mangalia
Mai 2021

Nun gehen also 66 Jahre Ev. Kindergarten Sandgrube zu Ende.
Über viele Jahre durfte ich diesen Kindergarten religionspädagogisch begleiten. Neben den Besprechungen mit den Erzieherinnen haben wir das immer ganz konkret gestaltet, indem wirbiblische
und andere Geschichten erzählten. Doch mit dem Erzählen allein war es nie getan, immer wieder konnte ich nur staunen, wie die Kinder sich in Geschichten einfühlten. Meine alten Krippenfiguren erwachten in Kinderhänden zu ganz neuen Gefühlen und Empfindungen – das war auch für uns Erwachsene bereichernd. Oder Jakob, der mit seinem Bruder im Streit auseinander ging – ein Mädchen stellte sehr bestimmt fest: »Aber er hat seinen Bruder doch lieb!«
Höhepunkte waren neben den bereits genannten auch immer die Besuche in der Michaelskirche, zuerst der – für einige Kinder recht anstrengende – gemeinsame Fußweg dahin, dann die großen Augen vor dem Michaelsfenster, interessierte und bohrende Fragen:
»Warum …? Wieso …? Was macht der da?«
Das gemeinsame Vesper in der Kirche und ein Spiel auf der Wiese rundeten dann den Ausflug ab.
Die Kirchengemeinde bedankt sich bei den Erzieherinnen für all die Liebe und ihren Einsatz über die Jahre.
Den Kindern und ihren Familien wünschen wir einen guten Übergang in ihre neuen Einrichtungen.

Pfarrer Volkmar Rupp
Mai 2021



Die Kirchengemeinde Zuffenhausen hat vor Jahren beschlossen, die eingruppigen Kindergärten Güglinger Str. 13, Bietigheimer Str. 11a sowie die zweigruppige Einrichtung Frauenstegstr. 50 in das neue Dietrich-Bonhoeffer-Kinderhaus (DBK) zu überführen.
Hierzu wurde das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus (DBH) sowie das Hinterhaus zum neuen DBK generalsaniert.
Nach Eröffnung dieser Einrichtung im September 2016 wurden die anderen Einrichtungen geschlossen. Der Kindergarten In der Sandgrube 3 musste bis zur Eröffnung einer neu gebauten Einrichtung Frauenstegstr. 50 erhalten werden, da ansonsten in diesem Stadtteil keine Einrichtung vorhanden gewesen wäre. Die Stadt Stuttgart begann leider nicht sofort im Herbst 2016 mit dem Neubau, sondern erst zweieinhalb Jahre später. Daher war es erst jetzt möglich, In der Sandgrube 3 zu schließen. Dies geschieht zum 31. August. Aufgrund eines Brandes im Neubau Frauenstegstr. 50 vermieten wir bis 31. Dezember die Räumlichkeiten In der Sandgrube 3 an den Träger der neuen Einrichtung Frauenstegstr. 50, die Rominger-Stiftung.
Unser Kindergarten In der Sandgrube 3 und der ehemalige Gemeinderaum In der Sandgrube wird an die Rumänisch-Orthodoxe Kirchengemeinde verkauft. Diese werden, da bin ich mir sicher, auch diese Räumlichkeiten – wie auch schon unser ehemaliges Johann-Albrecht-Bengel-Haus – zu einem Schmuckstück renovieren.

Kirchenpfleger Matthias Essig
Mai 2021