Alexander Kuhlo sagt danke

Für mich birgt das begonnene Jahr eine große, neue berufliche Herausforderung. In München-Bogenhausen möchte ich ab 1. April 2021 als neuer Dekanatskantor in der dortigen Kirchengemeinde
und im Prodekanat München-Ost einen Neuanfang wagen, der sich für mich nach viereinhalb Jahren bei Ihnen in Zuffenhausen zu einer inneren Notwendigkeit herauskristallisiert hat.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle vor allem Dank sagen für gemeinsam erlebte und miteinander musikalisch gestaltete Lebenszeit mit vielen schätzenswerten Erinnerungen an Begegnungen, Gottesdienste, Konzerte, Unterrichtsstunden etc.
Ich denke da zum Beispiel an den allerersten Gottesdienst mit Volkmar Rupp in der Michaelskirche, als ich aus Zeitmangel einfach unten am Klavier zu spielen begann und dafür den tosenden Beifall der anwesenden Gemeinde, vor allem der Kinder, erhielt.
Oder auch an die fröhlichen Stunden mit den Kindern aus vielen Nationen im Dietrich-Bonhoeffer-Kinderhaus, an die abwechslungsreichen Sommer-Serenaden mit allen kirchenmusikalischen Gruppen, die »Orgelmärchen« für Familien und Kinder in unseren Kirchen, die familiären Bläserproben des Posaunenchores mit anschließendem gemütlichen Sit-in bei Mario, die Proben und großen Konzerte mit der Pauluskantorei und dem Orchester Concerto Tübingen (zuletzt im Herbst 2019 das Mozart-Requiem), die vielfältigen Aufführungen mit dem Posaunenchor, der Kantorei und dem Orchester aus Tübingen zu Weihnachten und Ostern und nicht zuletzt die vielgestaltigen Gottesdienste mit allen Pfarrerinnen und Pfarrern.
Auch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gremien und im Freundeskreis für Kirchenmusik habe ich als angenehm und konstruktiv empfunden.
Ein schmerzlicher, aber zugleich auch chancenreicher Einschnitt war nun die Trennung von meiner Frau Marit Kuhlo, aber in jeder Krise liegt auch der Keim des Neuaufblühens. Denn »jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben …«. Dieser Vers aus dem Gedicht »Stufen« von Hermann Hesse war mir in den letzten Monaten immer wieder gegenwärtig:
»… nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.«
So verabschiede ich mich nun zum Frühjahr, beschenkt durch meine Begegnungen mit Ihnen vor allem durch das Medium der Kirchenmusik, der ich mein Leben und Wirken unter dem Motto Johann Sebastian Bachs gewidmet habe: »Soli Deo Gloria« (Gott allein die Ehre).
Bleiben Sie behütet und bewahrt in diesen bedrängenden Zeiten der Corona-Pandemie und lassen Sie sich von der Kraft der Musica Sacra stärken.
Gott befohlen und ausdrücklich Auf Wiedersehen!

Ihr Alexander Kuhlo
Februar 2021

Das erste Kantorenjahr in Gemeinde, Dekanat und Kirchenkreis

»Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den blauen Himmel unverstellt, herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen.«
Mit Worten des schwäbischen Dichters Eduard Mörike beginne ich in den sonnenglühenden Herbsttagen meinen Rückblick auf das vergangene Jahr gemeinsamen Musizierens in unserer Kirchengemeinde.
Als ich im September 2016 bei Ihnen, liebe Zuffenhäuser Gemeindeglieder, nach fast fünf Jahren als Kreiskantor im ländlichen Westerwald meinen Dienst als neuer Dekanatskantor in der Nachfolge von Hans-Rudolf Krüger antrat, traf ich zum einen auf vielfältige berufliche Herausforderungen, aber vor allem auch auf Sie, die musikbegeisterten und musikliebenden Menschen in allen kirchenmusikalischen Ensembles und in der Gemeinde.
Seither strebe ich mit Ihnen bewusst das an, was auch meinem großen Vorbild im Kantorenamt, Johann Sebastian Bach, in seinem »Entwurf einer wohlbestallten Kirchenmusik« von 1730 wichtig war: eine
Kirchenmusik, die sich einerseits an den liturgischen Gegebenheiten vor Ort, den Bedürfnissen der Menschen in der Gemeinde und den Vorstellungen der vorhandenen Pfarrerschaft orientiert. Aber nicht zuletzt versucht sie auch immer wieder neu, den hohen Qualitätsmaßstäben, für die Bach zeitlebens eingetreten ist, gerecht zu werden.
Ein großer Schatz der Kirchenmusik in Zuffenhausen ist das vorhandene Instrumentarium, allen voran die große Mühleisenorgel: ein Meisterinstrument, welches ich seitdem versucht habe, in den zahlreichen Orgelmatineen und unterschiedlichen Gottesdiensten angemessen zum Klingen zu bringen. Im neuen Jahr möchte ich mit dem Themenkonzept »Orgel Plus ...« (Instrument oder Singstimme) noch mehr Menschen dafür gewinnen, den wunderbaren Klangfarben und dem tiefen Sinngehalt der Orgelmusik zu lauschen.
Dabei gilt für mich die Überzeugung des Malers Max Beckmann aus dem Jahr 1938: »Die Kunst dient der Erkenntnis, nicht der Unterhaltung.«
In diesem Sinne ist auch mein integraler Bach-Orgelkonzertzyklus zu verstehen, den ich seit Februar 2017 in der Johanneskirche gestalte und der 2018 seine kontinuierliche Fortsetzung erfährt. Immer wird dabei der interessierte, offene Zuhörer durch konzentrierte Einführungen eingestimmt, soll er doch selbst die Schönheiten dieser großartigen Musik erleben – wie Johann Nikolaus Forkel, Bachs erster Biograph, über die Bach’schen Triosonaten für Orgel schrieb: »Von ihrer Schönheit kann man nicht genug sagen.«
Charakteristisch und vielfältig zugleich ist die Fülle der unterschiedlichen Gottesdienstformen in Zuffenhausen, wenn ich an die vielen Themengottesdienste, mittendrin-Gottesdienste, musikalischen
Gottesdienste, Familiengottesdienste etc. denke, die ich seit her erleben und mitgestalten durfte.
Der größte Schatz sind für mich die Menschen in den kirchenmusikalischen Ensembles: die begeisterungsfähigen SängerInnen der Pauluskantorei, die BläserInnen im Posaunenchor, aber auch die Kinder im Dietrich-Bonhoeffer-Kinderhaus, wo ich allwöchentlich ein Singeangebot mache und dieses an die Kinder aus den verschiedenen Nationen und Religionen herantrage; darüber hinaus die alten Menschen im Samariterstift und nicht zuletzt Sie, die Gemeindeglieder an den drei Gottesdienstorten Paulus-, Johannes- und Michaelskirche.
Mein ganzes Engagement und künstlerisch-pädagogisches Können wurde im ersten Amtsjahr von den Menschen reichlich belohnt.
Dafür gilt es, einen herzlichen Dank auszusprechen, und zwar all denjenigen, die im vergangenen Jahr die Proben, Gottesdienste und Konzerte so fleißig und begeistert besucht und damit deutlich gemacht haben, wie wichtig, wie wesentlich, wie wunderbar evangelische Kirchenmusik auch heute – rund 270 Jahre nach Johann Sebastian Bach – Menschen für das Evangelium Jesu Christi zu gewinnen vermag.
So werde ich auch in Zukunft weiter an meiner eigenen Form der Verwirklichung einer »wohlbestellten Kirchenmusik« im Sinne Bachs in Zuffenhausen arbeiten, immer im Dialog mit dem Dekan, den Pfarrern, den kirchenmusikalischen Ensembles und den Kantorenkollegen im Kirchenkreis Stuttgart, mit denen ich zusätzlich noch den Stuttgarter C-Kurs zur Nachwuchsförderung unterrichtend durchführe.
Die große Aufgabenfülle hier in Stuttgart, die Verantwortung für die Gemeinde und das Dekanat im Bereich der Kirchenmusik, der interreligiöse Dialog in Zuffenhausen, die Kooperation mit dem Kirchenkreis, aber auch die dafür notwendige Zeit der inneren Ruhe, kontemplativen Sammlung und eigenen Ausgeglichenheit sind und bleiben für mich auch nach einem Jahr im Amt weiterhin Herausforderung und Chance zugleich, die mein Leben reich machen und erfüllen.
Das gelingt am allerbesten, wenn Sie – egal ob haupt-, neben- oder ehrenamtlich Mitarbeitende oder auch jedes einzelne Gemeindeglied – mich dabei nach Kräften unterstützen und inspirieren, wie ich es bis dato schon oft erfahren durfte und hoffentlich zukünftig weiter erfahren werde.
Ich schließe meinen Rückblick mit einem Zitat von Johann Sebastian Bach, das den Sinn einer wahren und ausstrahlungskräftigen Kirchenmusik zeitlos umschreibt: »... damit diese eine wohlklingende Harmonie gebe zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüts ...!«
Auf gemeinsames Musizieren – SOLI DEO GLORIA – freut sich

Ihr Kantor Alexander Kuhlo

Alexander Kuhlo stellt sich vor

© privat

Alexander und Marit Kuhlo

»Liebe Mitarbeiter am Psalm 150«
So pflegte mein in Bläserkreisen berühmter Urgroßvater, »Posaunengeneral« Johannes Kuhlo (1856-1941), die Menschen in seinem Umfeld gerne anzusprechen und wies damit gleich auf den geistlichen Auftrag seiner lebenslangen Bemühungen um die »musica sacra« hin, zumal auch die Blechblasinstrumente in diesem Psalm eine ganz besondere Rolle spielen.
So möchte ich zu meinem Dienstantritt auch Sie freundlich ansprechen. Als Urenkel von Johannes Kuhlo habe ich die Ehre, ab September zusammen mit meiner Frau Marit, die mich als Sopranistin in meiner kirchenmusikalischen Arbeit tatkräftig unterstützt, bei Ihnen in der Gemeinde und im Kirchenkreis Stuttgart in der Nachfolge von Hans-Rudolf Krüger als neuer Dekanatskantor wirken und leben zu dürfen. Welch eine Freude!
Aufgewachsen und studiert in Hannover, aus einem musikalisch vorgeprägten Elternhaus kommend, trat ich nach absolviertem A-Studium und weiteren Orgelstudien bei Prof. Daniel Roth (Paris, Frankfurt/Main) meine erste hauptamtliche Kantorenstelle in Reichenbach im sächsischen Vogtland an. Danach folgten Stationen in Göttingen als Kirchenkreiskantor mit Schwerpunkten in der C-Ausbildung und chorischer Projektarbeit, der Aufstieg in eine A-Stelle als Kreiskantor im Ev. Kirchenkreis Altenkirchen mit großen Chorkonzerten (Fauré-Requiem, Keiser-Weihnachtsoratorium, Puccini-Messe, Mozart- und Haydn-Messen und Rutter-Te Deum) und einem integralen Bach-Orgelzyklus. Nun, mit 45 Jahren, dürfen meine Frau und ich zu Ihnen in die Kirchengemeinde Zuffenhausen kommen. Ich freue mich auf die Begegnungen und die Zusammenarbeit. Dazu gehören natürlich die bestehenden Ensembles Kantorei und Posaunenchor, die Weiterführung der Konzertreihe Stuttgarter Orgelmatinee und die Tradition der Chorkonzerte am 2. Weihnachtsfeiertag,  diesmal mit einem Bach-Vivaldi-Programm. Aber nicht nur die sinnvolle Fortsetzung der Arbeit meines Vorgängers ist mir ein Anliegen, sondern auch das Setzen eigener musikalischer Akzente und Schwerpunkte im konzertanten Bereich sowie die musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zunächst einmal möchte ich jedoch eines – ankommen. Dazu gehören viele Besuche, das Gestalten der wöchentlichen Proben und Gottesdienste, Gespräche mit den Kollegen in den Gemeinden des Dekanatsbezirks und im Kirchenkreis u.v.m.
»Cantate et gaudete ad magnam gloriam Dei!« – Singet und freuet euch zur großen Ehre Gottes! Da ich meine kirchenmusikalische Arbeit vor allem als Dienst für Gott und an den Menschen verstehe, freue ich
mich darauf, dies nun mit Ihnen tun zu dürfen, und lade herzlich zum Mitsingen und Mitblasen in Kantorei und Posaunenchor ein. Meine Frau und ich sind im besten Sinne neugierig auf Sie und die Gemeinde.
Meine Frau arbeitet seit August beim katholischen Stadtdekanat und wird sich als Sängerin vielfältig in die Gemeindearbeit und bei Konzerten mit einbringen.
Es ist unser Wunsch, endlich im Leben da anzukommen, wo wir beruflich und privat eine Heimat finden können. Dieser Wunsch ist jetzt in Erfüllung gegangen.
Um mit einem Bach-Zitat zu schließen, welches mich sehr bewegt und berührt: »NB. Bey einer andächtig Musig ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart« (Notiz von J. S. Bach bei. 2. Chronik 5,13). Möge sich dies in meiner Stuttgarter Kantorenzeit immer wieder ereignen!


Alexander und Marit Kuhlo
September 2016