Impuls

In den Biergärten gibt es keinen freien Platz, Rauchschwaden wehen mir aus den Gärten in die Nase, Gelächter dringt vom Spielplatz an mein Ohr. Ich radle am Neckar entlang. Fußballfans kommen mir mit schwenkenden Fahnen entgegen. So sollte es aussehen, im Juni 2020. Eigentlich. Normalerweise wäre im Moment Hochsaison. Hochsaison für Grillpartys, Treffen in den Biergärten, gemeinsames Jubeln und Feiern – von unseren vielen geplanten Veranstaltungen in der Kirchengemeinde ganz zu schweigen.
Wie sehr sehnen wir uns wieder nach dieser Normalität und gleichzeitig ahnen wir, dass es wohl noch dauern wird, bis wir wieder so unbeschwert zusammen sein können.
Jetzt ist eine Tugend gefordert, mit welcher ich von Natur aus nicht überschwänglich gesegnet bin: Geduld. Paulus schreibt einmal an die Römer: »… wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.« (Römer 5,3-5).
Ich spüre regelrecht, wie es von Wort zu Wort heller wird in mir. Am Ende steht Hoffnung. Hoffnung ist eine unglaublich starke Kraft. Hoffnung trägt in dunklen Stunden. Hoffnung hilft durchzuhalten, hält nach neuen Perspektiven Ausschau und versucht, die Freude wach zu halten. Auf das, was kommt. Paulus, der selbst bitterste Bedrängnisse erlebt hat, verbürgt sich dafür, dass diese Hoffnung keine leere ist, weil sie in Gottes Liebe zu uns und dieser Welt gründet. Sie ruft in Erinnerung, dass Gott versprochen hat, uns durch dieses Leben zu begleiten; dass er hilft, das Schwere zu tragen. Hoffnung erinnert uns daran, dass wir in Gottes Hand geborgen sind. Und dass sich am Ende erfüllt, was wir hoffen: dass es mit uns und dieser Welt wieder gut wird.
Und bis dahin wünsche ich uns von Herzen hoffnungsvolle Geduld.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pfarrerin Sarah Schindler