Impuls

Beten Sie? Über das Thema reden wir nicht so gerne. Auch im engstenFreundeskreis nicht. Es gibt so etwas wie eine religiöse Scham. DennFrömmigkeit ist etwas sehr Intimes. Sie vor sich herzutragen, ist auchdaneben, sagt Jesus in der Bergpredigt. Sie muss aber auch nichtverheimlicht werden. Es lohnt sich, auch und gerade in der Advents-und Weihnachtszeit, neu zu entdecken, was wir »Frömmigkeit« nennen. In der Stille etwa Gott nachzuspüren, mit ihm zu reden. Alteund neue Texte, Lieder, die von seinem Kommen, seinem Nahesein erzählen, singend, laut oder leise sprechend im Herzen zu bewegen.Mit anderen zusammen in unserer Gemeinde Gottesdienst zu feiern. Wir wünschen uns, dankbar und zuversichtlich leben zu können.Erzwingen kann man das aber nicht. Ein guter Vorsatz hilft da auchwenig. Andacht vor Gott hat da mehr Kraft, denn sie berührt uns in denTiefen unseres Daseins. Regelmäßig vor Gott sich zu sammeln kann soauch helfen, eine zuversichtliche und dankbare Haltung zum Leben zufinden. Und wenn wir keine eigenen Worte finden, können wir unsWorte leihen, mit denen andere vor uns tiefe Erfahrungen gemacht haben. Ein ganzer Schatz findet sich da in den adventlichen undweihnachtlichen Liedern, Gedichten und Geschichten.Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, wie er oder sie Fröm-migkeit im Alltag lebt. Sich darauf einzulassen ist auch kein sicheresGlücksrezept. Aber es birgt die Möglichkeit in sich, zum Türöffner fürein tiefes, erfülltes Leben zu werden.
Ihr Pfarrer Dieter Kümmel