Impuls

»Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?«
Paul Gerhardts altes Adventslied (EG 11) spricht in vielen Zeilen verblüffend direkt in unsere Zeit. Denn jetzt ist Advent.
Spekulatius und Zimtsterne im September, weihnachtliche Schokoladenkollektion im Oktober, Adventsdekoration im November – schon lange beklagen wir die kommerziellen Unsitten unserer Zeit. Doch das ist alles Nebensache.
Jetzt ist Advent. Jetzt sind drei Wochen Zeit, sich auf Weihnachten vorzubereiten und mit Paul Gerhardt ehrlich zu fragen: »Wie soll ich dich empfangen« – dich, Jesus, Gottes Sohn? »Und wie begegn ich dir« –
Lass ich dich wirklich in mein Leben herein?
Drei Wochen Advent. Da kann Zeit genug sein, um Atem zu holen und uns auch einmal Ruhe zu gönnen. Die Natur lebt es uns vor. Warum nicht morgens eine Viertelstunde innehalten, die Geräusche von außen einfach ausblenden und in mich hören. Was macht mein Leben wirklich aus? Was erwarte ich – jetzt – im Advent?
Paul Gerhardt findet ganz starke Bilder aus seinem Leben: »Ich lag in schweren Banden, ... ich stand in Spott und Schanden«, und sehr mutig singt er seiner verletzten Seele zu: »Er kommt, er kommt mit Willen«. Und dann kommt er zu dem erstaunlichen Schluss: »Mein Herze soll dir grünen«!
Was für ein wunderschönes Bild: Das Herz soll grünen, soll voll Saft und Kraft stehen, soll austreiben, soll aufblühen und sogar Frucht bringen. Dir – dir, Jesus, Gottes Sohn, denn du kommst aufs Neue in unsere Welt. Und ich glaube, wir können ein zweites »Dir« dazu stellen: dir, Mensch neben mir, Mensch mit mir. Auch dir soll mein Herz grünen.
Im Advent ist genug Zeit, neu Zuwendung zu wagen, Jesu Blick für den Nächsten einzuüben und ihn als einzigartiges Geschöpf Gottes zu sehen.
Mit guten Wünschen für eine erfüllte Adventszeit grüße ich Sie.


Pfarrer Volkmar Rupp