Herzlich Willkommen bei der Evangelischen Kirchengemeinde Zuffenhausen


Predigt am 1. Advent (R III, 29.11.2020) in der Michaelskirche und der Pauluskirche Zuffenhausen über Sach 9, 9f.

 

Liebe Gemeinde!

 

Advent – Ankunft.
Eine Wartezeit.
Was das bedeutet, das spüren wir in diesen Wochen besonders.
Immer noch hat das Coronavirus die ganze Welt im Griff.
Bang schauen wir jeden Tag auf die Kurven, die einfach nicht flacher werden wollen.
Noch banger fragen wir uns, wie Weihnachten in diesem Jahr aussehen soll.
Von wegen „alle Jahre wieder“.
Was sonst wie eine Drohung klang, weckt heute Sehnsucht.
Sogar die lästigen Dinge würden wir in Kauf nehmen, wenn es endlich wieder „normal“ wäre.
Aber noch warten wir.
Warten auf eine Lösung.
Warten auf einen Impfstoff.
Warten wie auf eine Erlösung.
Warten darauf, dass man anderen wieder begegnen kann.
Ohne Maske, ohne Abstand.
Die Nerven werden dünner.
Die Warterei macht mürbe.

 

Warten, das war auch schon vorher nervig.
Nicht nur die Kinder, die es nicht erwarten können, bis das Christkind kommt, finden Warten doof.
Mich treiben Hotlines in den Wahnsinn.
Komische Musik und die Ansage „bitte warten Sie“.
Seither weiß ich, wie dünn mein Geduldsfaden werden kann.
Letzten Endes ist diese Warterei aber vor allem eins: lästig.
Man kann förmlich zusehen, wie die eigene Lebenszeit verrinnt.

 

Daneben gibt eine andere Art des Wartens.
Eine, die weiß, dass bald etwas passieren wird.
Eine, die die Nerven bis zum Äußersten spannt.
Etwa am Ende der Schwangerschaft.
Der Geburtstermin ist erreicht.
Es müsste bald so weit sein.
Alle fragen schon.
Doch das Kind kommt noch nicht.
Oder in der Schule: die Klassenarbeit ist geschrieben, aber die Note ist noch nicht da.
Noch ist nicht klar, ob es mit der Versetzung reicht.
Später heißt es nach dem Bewerbungsgespräch: „Vielen Dank, Sie hören dann von uns.“
Wird der Betrieb einen einstellen?
Wie ist das Warten, wenn die Diagnose „Krebs“ gestellt ist?
Wenn die Behandlung bevorsteht und noch nicht klar ist: Wird sie anschlagen?
Wartezeit.
Zeiten wie diese kann man nicht einfach zurückdrehen.
Dahin, wo alles noch bekannt, war.
Zeiten wie diese kann man auch nicht einfach schnell vorspulen.
Was Warten überspringen, damit alles irgendwie vorbei ist.
Wartezeiten, Zwischenzeiten stellen unser Gottvertrauen auf die Probe.

 

Eine ganz andere Art des Wartens lässt sich zu normaleren Zeiten an Bahnhöfen oder Flughäfen beobachten.
Neben den hektischen Menschen mit Rollkoffer und Smartphone gibt es stillere.
Versonnen stehen sie da.
Mitten im Weg.
Am Rand.
Einfach so stehen sie.
Vielleicht mit einer Blume in der Hand, vielleicht mit einem Lächeln im Gesicht.
Man sieht ihnen die Vorfreude schon an.
Offensichtlich wollen sie jemanden, der ihnen wichtig ist, abholen.
Verstohlen, ein bisschen wehmütig, ein bisschen neidisch auch, schielen die anderen zu ihnen hinüber.
Ist es schön, so dringend auf jemanden zu warten.
Muss es schön sein, so erwartet zu werden.

 

Dieses Gefühl der Vorfreude, des gespannten Wartens auf jemanden, der unserem Herzen sehr wichtig ist, dieses Gefühl sollte eigentlich den Advent prägen.

 

Die ersten Christen haben in ihrer Bibel, dem alten Testament, Worte gefunden, die beschreiben, auf wen wir im Advent warten.
Vielleicht können sie uns anstecken:

 

Sacharja 9

 

 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.  Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

 

Warten auf einen König.
Ist etwas aus der Mode gekommen.
Gut, ein paar bunte Zeitungen wären ohne Könige ziemlich arbeitslos.
Schließlich führen diese Herrschaften ein bewegtes Leben, haben mitunter merkwürdige Ansichten oder mindestens Zeremonien aus einer anderen Zeit.
Im wahren Leben vermisst sie niemand.
Wir sind selber wer, leben schließlich in einer Demokratie.
Schauen wir genau hin.
Diesen König könnte auch unsere Demokratie, könnten wir gut gebrauchen.
Es ist schließlich kein normaler König.
Er kommt ohne Prunk und Pomp.
Sein Reittier ist ein Esel.
Ein Lasttier.
Kein stolzer Hengst, kein Streitwagen, keine Sänfte.
Ein Esel, das ist das Transportmittel der einfachen Leute.
Ein König auf einem Esel, das macht nicht viel her.
Käme heute einer so daher, hätte er schnell den Stempel „Opfer“ verpasst.
„Opfer“ ist eines der schlimmsten Schimpfworte auf dem Schulhof.
„Opfer“ sind zum Mobbing freigegeben.
Alle dürfen auf ihnen herumhacken.
Ein seltsamer König, der sich freiwillig zum Opfer macht.

 

Aber der Augenschein täuscht.
Ausgerechnet dieser König wird Frieden bringen.
Ganz genau wird die Abrüstung beschrieben.
Die Kriegsbogen, die Handwaffen, werden zerbrochen.
Die Streitwagen mit den starken Schlachtrossen, die Panzerfahrzeuge der damaligen Zeit, werden abgeschafft.
Einfach weg damit.
Er wird nicht mit Gewalt Frieden bringen.
Der König auf dem Esel wird nicht Dreinschlagen als friedenserhaltende Maßnahmen schönreden.
Er verteidigt seine Interessen nicht auf fremdem Boden mit immer neuen Truppen.
Und trotzdem wird sich sein Reich unaufhaltsam ausbreiten.
Alle Völker der bekannten Erde werden sich ihm anschließen.
So viele hundert Jahre später, klingt das immer noch wie ein Traum.
Immer noch werden junge Menschen zu Kampfmaschinen gedrillt.
Brüllen und Schikanieren, bis sie sich das Denken abgewöhnen und nur noch funktionieren.
Das ganze gerne verbrämt mit Elite-Brimborium und nationalem Schwulst.
Oder versteckt unter der Floskel, man müsse endlich Verantwortung übernehmen.
Sieht so das christliche Abendland aus, das seine Werte in die Welt hinausträgt?
Nun könnte man sagen, so sei die Welt halt nun mal.
Das sei schon immer so gewesen.
Menschen seien einfach keine friedlichen Wesen.
Es lohne sich nicht, auf Frieden zu warten.

 

Doch als Christen sind wir durch die Taufe mit dem König auf dem Esel, mit dem Friedensbringer verbunden.
Mit jeder Kerze am Adventskranz erinnern wir daran, dass die Welt auf diesen König wartet. Erinnern daran, dass versprochen ist, dass er sich durchsetzt – bis an die Enden der Erde.
Im Großen wie im Kleinen.
In Afghanistan und auf dem Schulhof.
Im Irak und in unseren Familien.
Was bleibt uns zu tun?
In Bad Boll lebte vor über 100 Jahren ein Pfarrer namens Blumhardt.
Am Boller Kurhaus, verwiesen die Buchstaben W und P auf den württembergischen König und seine Frau.
Doch Blumhardt las daraus die Anweisung: „Warten und Pressieren“.
Das ist die Aufgabe von Christen:
Warten auf den Friedenskönig, der so unscheinbar daherkommt.
Warten, wie jemand mit Blumen am Bahnhof oder am Flughafen.
Warten, hoffnungsvoll und zuversichtlich.
Und Pressieren:
Nicht nur herumstehen, wie ein Auto im Stau, sondern einen eigenen Beitrag leisten.
Daran mitarbeiten, dass der Friede sich ausbreitet.
Nicht mit Gewalt, sondern gerade da, wo man ist.
Warten und Pressieren.

 

Amen

 

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