Inklusion

Gabriele Mihy

Alle Menschen in ihrer ganzen Vielfalt

In der pädagogischen Arbeit war jahrelang die Integration von Menschen
mit Behinderung das zentrale Thema. Integration bedeutet:
1. Wiederherstellung einer Einheit aus Differenziertem und Vervollständigung
2. Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes


Hierbei definiert sich eine – in der Regel die größere – Gruppe als »normal« und bekommt dadurch die Autorität, über die Integration der jeweils »anders« definierten Gruppe zu entscheiden, die als von außen kommend und als nicht dazugehörend empfunden wird. Es wird immer vom Vorhandensein zweier unterschiedlicher Gruppen ausgegangen. Integration geht von zwei Typen von Kindern aus, die einen mit und die anderen ohne sonderpädagogischen Bedarf.

 

Heutzutage steht der Gedanke der Inklusion (lat. Inclusio – Einschluss,
Einbeziehung, Dazugehörigkeit) im Blickpunkt.

Hier wird nicht in zwei Gruppen unterteilt, sondern alle Menschen in ihrer ganzen Vielfalt gehören dazu. Hautfarbe oder Herkunftsland, finanzieller Hintergrund, Geschlecht, Religion ... sind für das Dazugehören im Sinne der Inklusion genauso wenig von Belang wie individuelle Fähigkeiten.
Inklusion geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche mit Besonderheiten
bzw. Behinderungen nicht integriert werden müssen, sondern schon Teil der Gemeinschaft sind. Das Gruppendenken ist überwunden und es ist normal, verschieden zu sein. Jeder Mensch ist einzigartig und damit immer irgendwie anders als ein anderer.
Inklusion ist nicht auf besondere Personengruppen mit besonderen Merkmalen gerichtet, sondern ausnahmslos auf jeden Einzelnen. Alle Kinder und Jugendlichen haben individuelle Bedürfnisse, darunter auch solche besonderer Art, für deren Befriedigung die Bereitstellung spezieller Mittel und Methoden sinnvoll sein kann. Inklusion bedeutet Heterogenität, Lebendigkeit, Vielfalt, ein »buntes« Miteinander, Respekt und Toleranz gegenüber Andersartigkeit.
Wir müssen unseren Blick darauf richten, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung vor allem Menschen mit Fähigkeiten und Bedürfnissen sind, die kein Studium der Sonderpädagogik, sondern Kreativität, Spontanität und Offenheit erfordern.

Juni 2012

Ein Waldheim für alle

Anfangs waren unsere Angebote als familienentlastender Dienst gedacht und nur an Eltern mit einem behinderten Kind oder Jugendlichen gerichtet. Es haben aber an diesen Angeboten immer wieder auch Kinder ohne Behinderung teilgenommen, deren Eltern eine Ferienbetreuung, auch in den kleinen Schulferien, benötigten. 2006 beschlossen wir dann, unsere Angebote auch für Kinder ohne Behinderung auszuschreiben. Dafür mussten wir zunächst die Frage klären, welches Ziel wir erreichen wollten und dazu ein Konzept erarbeiten. Es war sofort klar, an unseren
Angeboten sollen alle teilnehmen können: groß, klein, dick, dünn, sinnes-, körper-, geistig behindert, hochbegabt, tiefbegabt, verschieden religiös, verhaltensoriginell oder auch nicht. Aktionen und Ausflüge müssen so gestaltet sein, dass alle im Rahmen ihrer Fähigkeiten daran teilnehmen können und auch die individuellen Bedürfnisse aller Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden.

Die Anzahl der Kinder ohne Behinderung haben wir auf 10 bis 15 pro Ferienangebot beschränkt, da wir die Qualität unserer Arbeit nicht zurückstufen wollen und daher auch eine entsprechend hohe Anzahl an ehrenamtlichen MitarbeiterInnen benötigen. Inzwischen ist es selbstverständlich, dass es in Zuffenhausen auch in den kleinen Schulferien ein Waldheim für alle gibt und jedes Kind und jeder Jugendliche willkommen ist.Die Ferienangebote und Wochenenden finden im Evangelischen FerienwaldheimZuffenhausen statt, das selbstverständlich barrierefrei ist.

Ich bin die einzige hauptamtliche Fachkraft, alle anderen sind ehrenamtlich Mitarbeitende. Auch in diesem Bereich sind wir inklusiv. Die
MitarbeiterInnen kommen von unterschiedlichen Schultypen und sind
zum Teil selbst eingeschränkt: Lernbehinderung, Epilepsie, Tourette-
Syndrom … – auch hier sind wir inklusiv.
Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt!


Gabriele Mihy