Wasserschlachten und Klo-Rollen-Tausch

Abenteuerurlaub Waldheim

 

Louisa Nawroth (10 Jahre) und Selina Nieß (12 Jahre) besuchen in diesen Sommerferien das Waldheim Schlotwiese der evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Zuffenhausen. Birgit Mattausch hat sie und die diesjährige Leiterin des Zuffenhäuser Waldheims, Anna Michl, interviewt.

Könnt ihr unseren Leserinnen und Lesern erklären, was überhaupt ein Waldheim ist?
Louisa: Ein Waldheim ist eine Art Ferienaufenthaltscamp. Wir kommen morgens um halb neun hierher und bleiben bis abends um sechs. Wir spielen, lernen neue Freunde kennen, machen Wasserschlachten, essen zusammen.

Wie oft wart ihr schon im Waldheim?
Selina: Ich bin zum dritten Mal hier. Oder schon zum vierten Mal?
Louisa: Bei mir ist es diesmal das zweite Mal.
Anna Michl: Ich bin zum neunten Mal dabei. Achtmal war ich Mitarbeiterin, hatte eine eigene Gruppe. Und nun bin ich zum ersten Mal im Leitungsteam. Als Kind war ich komischerweise nie im Waldheim.

Wieviele Kinder kommen ins Waldheim Schlotwiese?
Anna Michl: Im Moment sind 120 Kinder da. In unserer Spitzenzeit waren es dieses Jahr aber auch schon fast 190. Sie werden betreut von insgesamt 80 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, verteilt über die vier Wochen, in denen wir das Waldheim anbieten.

Was meint ihr, warum die Mitarbeiter das hier machen?
Louisa: Vielleicht brauchen sie es als Praktikum, für die Schule oder so.
Selina: Ich denke, sie wollen unter Kinder kommen.
Anna Michl: Sie machen mit, weils Spaß macht! Von den Kindern bekommt man ja so direkt ein Feedback, wie sonst nirgends. Das ist ganz toll. Und dann ist natürlich auch das Mitarbeiter-Team eine super Gruppe. Die verstehen sich sehr gut, machen auch in ihrer Freizeit viel miteinander. Und ja, klar, da hat Louisa recht: ein ehrenamtliches Engagement macht sich auch gut in einer Bewerbung. Ich persönlich mache es, weil ich sehr gern mit Kindern und Jugendlichen arbeite.

Was macht euch am meisten Spaß?
Louisa: Ich finde am besten, dass man mit so vielen anderen Kindern zusammen ist. Und dann noch die Wasserschlachten.
Selina: Mir hat am meisten der Klo-Rollen-Tausch Spaß gemacht. Da bekommt man eine Klorolle und muss die dann gegen was tauschen. Man nimmt einen kleinen Fetzen Klopapier und tauscht den zum Beispiel gegen eine Tüte. Und die Tüte tauscht man dann wieder.

Hier auf dem Waldheimgelände?
Selina: Ne, wir waren in Kornwestheim. Manche auch in Zuffenhausen oder in der Innenstadt.

Gibt’s auch was am Waldheim, das euch nicht so gefällt?

Louisa: Das frühe Aufstehen! Ich muss um halb acht aufstehen. Und das in den Ferien!

Louisa und Selina, ihr macht auch die Waldheim-Zeitung. Was kommt da rein?
Selina: Steckbriefe von den Mitarbeitern, Berichte und so.
Louisa: Wir haben zum Beispiel was über die Wahlgruppe „Teichbau“ geschrieben. Die haben dieses Jahr hier auf dem Waldheimgelände einen Teich gebaut. Da sollen jetzt Tiere drin leben. Peter, das ist ein Mitarbeiter, meinte, die kommen von selber. Kaulquappen und so.

Was hat das Waldheim eigentlich mit der evangelischen Kirche zu tun?
Louisa: Vielleicht hats eine Pfarrerin erfunden?
Selina: Es wird ja hier auch von Gott erzählt. Und Gott hat ja auch was mit Kirche zu tun, oder?
Anna Michl: Das Waldheim und die Kirchengemeinde Zuffenhausen sind ziemlich gut vernetzt. Jeden Morgen ist ein Pfarrer oder eine Pfarrerin beim Anspiel dabei. Dieses Jahr geht’s um die Josefsgeschichte. Wir machen auch einen Abschlussgottesdienst mit den Kindern. Wir beten vor dem Essen, singen christliche Lieder. So viele Kinder wie in den vier Waldheimwochen erreicht die Kirche wahrscheinlich das ganze Jahr über nicht.

Sind auch Kinder aus anderen Religionen dabei?
Anna Michl: Ja. Alle Kinder können kommen. Man muss nicht evangelisch sein. Es muss auch kein Kind mitbeten. Es gibt aber die Regel, dass alle beim Gebet leise sind und sich respektvoll verhalten.

Wie ist das dann mit dem Essen, zum Beispiel für die muslimischen Kinder?
Anna Michl: Darauf achten die Küchenmitarbeiterinnen. Wenns was mit Schweinefleisch gibt, dann gibt es für die muslimischen Kinder auch immer noch eine Extra-Alternative.

Welche Art von Kindern kommen ins Waldheim?
Anna Michl: Alle möglichen Kinder aus allen möglichen Schularten und aus jeder sozialen Schicht. Bei den Mitarbeitern ist es ähnlich, manche sind auf dem Gymnasium, manche machen eine Ausbildung. Das kommt ja sonst fast nicht mehr vor in unserer Gesellschaft, dass die Schicht- und Schulgrenzen so durchbrochen werden.
Selina: Das ist komisch. Wenn man die vom Gymnasium fragt, in welche Schule sie gehen, dann sagen sie: „Ins Gymnasium.“ Aber die aus der Hauptschule oder sogar der Realschule sagen: „Ich weiß nicht, wo ich hingehe.“

Was meinst du, warum das so ist?
Selina: Naja, die schämen sich wahrscheinlich. Oder haben Angst, gehänselt zu werden. Wenn man mit jemand Streit hat, dann kanns schon passieren, dass der sagt: „Pff. Du gehst ja nur in die Hauptschule“ oder so. In unserer Gruppe war auch so was. Aber wir wollen uns jetzt drum kümmern, dass das besser wird.
Louisa: Im katholischen Waldheim sind auch Mädchen und Jungs in den Gruppen getrennt. Hier nicht.

Fändest du es besser, wenn du in einer reinen Mädchengruppe wärst?
Louisa: Nö, das wäre blöd. Mit den Jungs kanns ja auch Spaß machen.
Selina: Man wird halt schon von den Jungs geärgert. Aber auch Geärgertwerden macht ja manchmal Spaß. Naja, es gibt auch nette Jungs.

Möchtet ihr nächstes Jahr wieder ins Waldheim?
Louisa: Ja, wahrscheinlich schon. Wenn wir da nicht in Urlaub fahren.
Selina: Auf jeden Fall. Mit 13 darf ich ja dann noch.
Anna Michl: Ab 14 gibts dann eine sogenannte Sprungbrettgruppe. Und mit 15 kann man eine Art Hilfsbetreuer werden. Das „ejus“, das evangelische Jugendwerk Stuttgart, bietet sogenannte Bausteinkurse an. Da werden unsere Mitarbeiter geschult in Fragen der Aufsichtspflicht und so weiter. Danach kann man Mitarbeiter werden.

Wollt ihr später mal Waldheim-Mitarbeiterinnen werden?
Selina: Ja, auf jeden Fall.
Louisa: Ich auch. Ich möchte ja auch später mal in einer Schule arbeiten.
Selina: Andererseits: als Mitarbeiter muss man zu den Kindern auch mal streng sein können, wenn die so laut sind. Ob ich das dann kann?

Wollt ihr unseren Leserinnen und Lesern noch etwas sagen?
Louisa: Dass das Waldheim schön ist.
Selina: Wenn Kinder hier in der Nähe wohnen oder überhaupt in der Nähe von einem Waldheim: wir empfehlens echt! Einmal hats bei mir nicht geklappt mit dem Waldheim, weil wir genau da verreist waren. Da war ich so traurig! Wer noch nie im Waldheim war, kann das wahrscheinlich gar nicht verstehen. Waldheim ist super!

 

In Württemberg gibt es jedes Jahr über 50 evangelische Waldheimangebote. Rund 20.000 Kinder und Jugendliche verbringen dort einen Teil ihrer Ferien. Allein in Stuttgart sind es 7.000, die eines der 18 evangelischen Waldheime besuchen. Finanziert werden die evangelischen Waldheimfreizeiten durch Kirchengemeinden, Kirchenbezirk, christliche Vereine und durch kommunale Zuschüsse. Wirklich möglich werden sie aber erst durch die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter 0711 2068-162 oder im Internet unter www.waldheime.de.

 

Weiterführende Links
Evang. Waldheim Zuffenhausen
www.waldheime.de
AG Evangelischer Ferien- und Waldheime in Württemberg