15 Jahre Mittendrin-Gottesdienst

»Heimat ist für jeden anders – wo?«, »Gnadenloser Umgang – Schuld und Vergebung«, »Suchet der Stadt Bestes: OB-Wahl in Stuttgart«, »ich.du.er.sie.es@beziehungen.de«, »Mit Freu(n)den essen – Gottesdienst im Grünen«, »Die evangelische Maria«, »Armut in Zuffenhausen«, »Gott im Gedicht – Lyrik und Jazz«, »Auferstehung oder Wiedergeburt?«, »Buch tut gut«, »Wer den Koch kennt, braucht vor dem Essen nicht zu beten«, »Kann denn Mode Sünde sein?«, »Der gläserne Bauch«, »Löcher im Kopf – Demenz«, »500 Jahre Reinheitsgebot – Bier und Reformation« – ein Thema aus jedem Jahr, seit es den Mittendrin-Gottesdienst gibt. Und beim Lesen dieser Themen ahnt man schon, was diesen Gottesdienst ausmacht. Weitgespannt und kunterbunt sind die Themen einerseits, andererseits kreisen sie immer um das Christsein in der Gegenwart, es geht um Gott und die Welt im Hier und Heute.
»Was im Leben wirklich zählt« – vielleicht bringt das Thema des ersten Mittendrin-Gottesdienstes am 25. November 2001 das Konzept, das hinter der Reihe steht, auf den Punkt. 94 Mittendrin-Gottesdienste hat es seither gegeben, immer – bis auf eine Ausnahme – um 18 Uhr am Sonntag, immer vorbereitet und getragen von einem Team, das derzeit aus zwölf Mitarbeitenden besteht.
Was ist das Besondere der Mittendrin-Gottesdienste? Der klassische Gottesdienst am Sonntagmorgen hat seit Jahrhunderten sein festes Profil: Die Orgel ertönt, der/die PfarrerIn leitet den Gottesdienst. Im Mittelpunkt steht die Predigt, die in der Regel von einem vorgegebenen Predigttext ausgeht. Wer in den Gottesdienst geht, weiß, was ihn erwartet. Das hat sich bewährt und ist auch gut so. Vor allem Frauen und Männer im mittleren Lebensalter wollen es aber anders. Das wurde deutlich, als Pfarrer z.A. Marc Stippich und ich im Frühjahr 2001 zum Austausch über ein neues Gottesdienstformat einluden. Über 40 Interessierte kamen in den Johanneshof.
Schnell stand die Zeit fest. Sonntagabends, 18 Uhr, sollte der »andere« Gottesdienst gefeiert werden. Warum gerade diese Zeit? Psychologen stellten fest, dass gerade um diese Stunden depressive Verstimmungen auftreten. Das schöne Wochenende ist vorüber, der triste Alltag wartet. Was liegt da näher, als Gottesdienst zu feiern? Wichtig ist bis auf den heutigen Tag: Die GottesdienstbesucherInnen sollen danach noch »Tatort« schauen können, sie sind bis spätestens 20.15 Uhr wieder zuhause.
Im Mittendrin-Gottesdienst spielt das Klavier – früher war es sogar eine kleine Band – die tragende musikalische Rolle. Inhaltlich wird er von einem Team von engagierten MitarbeiterInnen vorbereitet und gestaltet.
Im Mittelpunkt steht ein Thema, das von verschiedenen Seiten aus meist spielerisch-kreativ durchleuchtet wird. Die gottesdienstliche Feier ist eher dialogisch aufgebaut. Oftmals besteht im Gottesdienst, auf jeden Fall aber danach, bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zu Austausch und Gespräch.
In jedem Gottesdienst gibt es Gäste, die entweder einen inhaltlichen oder musikalischen Beitrag leisten. Jugendpfarrer, Friseurin, Akademiepfarrer, Sozialarbeiterin, die mit Prostituierten arbeitet, Landesbauernpfarrer, Buchhändler, Rundfunkpfarrer, Schlafforscherin, Asylpfarrer, Oberbürgermeister von Stuttgart, Dekane, Clownin, Imame, Therapeuten und viele andere waren schon Gäste bei uns. Aufgespielt haben verschiedene Brass-Ensembles, Jazzmusiker, eine
Gipsy-Band, Gospelchöre, das Jugendorchester der Musikschule, ein Percussion-Ensemble, eine Flötistin.
Klar strukturiert ist die Entstehung – an einem Klausurnachmittag im Herbst werden die Themen für das kommende Jahr gesucht. Das ist ein aufwändiger Prozess: Jede/r in der Runde darf seine Wunschthemen nennen. Wir diskutieren, wägen ab, bis nach zwei Stunden die sechs Themen und Termine feststehen, dazu auch die Menschen, die den Gottesdienst vorbereiten. Zunächst gibt es ein Kleinteam, das sich um den Inhalt kümmert, danach ein Großteam, das alles kritisch sichtet und bei dem die Aufgaben verteilt werden.
Und so sind wir alle in und mit dem Mittendrin-Gottesdienst auch älter geworden und steuern auf unseren 100. Gottesdienst im Januar 2018 zu mit dem Thema »Ich singe dir mit Herz und Mund«.
Zuvor aber freuen wir uns auf die Gottesdienste in diesem Jahr und laden alle, die Lust und Zeit haben, bei einem Thema mitzumachen, zur Mitarbeit ein:
19. März »Achtsamkeit«, 23. April »Verschleiert«, 2. Juli »Salz des Lebens«, 8. Oktober »Ich habe dich bei deinem Namen gerufen«, 12. November »Die dunklen Seiten Luthers«.
Pfarrer Dieter Kümmel
Februar2017