BACH-ORGELZYKLUS VI – MEISTERLICHE CHORALVORSPIELE IN ZUFFENHAUSEN ZU LIEDERN DES KIRCHENJAHRES MIT KANTOR KUHLO

Im 6. Konzert seines integralen BACH-Orgelzyklus interpretiert Dekanatskantor Alexander Kuhlo am Sonntag (24.2. 2018) um 18 Uhr in der Zuffenhäuser Johanneskirche (Marbacher Str.) einen der großen Choralzyklen über wichtige Kirchenlieder der damailgen Zeit.
Zunächst ein paar Informationen zum lebensgeschichtlichen Hintergrund dieser Orgelkompositionen für den Gottesdienst:
1723 wird die Position des Thomaskantors in Leipzig frei und Bach ergreift diese Gelegenheit. Sein letzter Berufswechsel steht bevor. In Leipzig muss er nicht nur die Thomasschüler unterrichten, hier ist Bach auch für die gesamte Kirchenmusik verantwortlich.
Bach absolviert ein außergewöhnliches Arbeitspensum. Für jeden Sonntag und jeden Festtag komponiert er eine Kantate, die er anschließend noch mit dem Chor und den Musikern einstudiert.
In Leipzig entstehen die großen Vokalwerke wie die Johannes- und die Matthäuspassion, Oratorien, die das Leiden und Sterben Jesu Christi thematisieren.
Die „Matthäuspassion“ stellt einen Höhepunkt seines Schaffens dar und ist mit drei Stunden Aufführungspraxis eines der umfangreichsten Werke von Bach. Gesichert ist, dass die Matthäuspassion an einem Karfreitag, am 15. April 1729, in der Leipziger Thomaskirche zum ersten Mal aufgeführt wurde.
In Bachs privatem Leben folgt Freude auf Trauer. In Leipzig werden fünf weitere Kinder geboren, von denen drei noch im Kindesalter sterben.
Ab Mitte des Jahres 1748 lässt Bachs Handschrift erkennen, dass der Thomaskantor ein großes Augenleiden hat. Trotzdem arbeitet er an dem Werk "Die Kunst der Fuge" weiter. Die letzte Fuge bleibt unvollendet, der Komponist erblindet.
Am 28. Juli 1750 stirbt Johann Sebastian Bach 65-jährig in Leipzig.
 
Über den gesamten Zyklus kann Folgendes in Kürze berichtet werden:
die Achtzehn Choräle BWV 651- 668 (Choralbearbeitungen der „Leipziger Originalhandschrift“) stellte Johann Sebastian Bach (1685-1750) in seinen letzten Lebensjahren zusammen mit der Absicht, sie zu drucken. Diese Sammlung enthält unterschiedliche Choralbearbeitungen für Orgel mit zwei Manualen und Pedal.
Bach wählte Sätze aus ganz verschiedenen Lebensperioden aus – die meisten dürften bereits in Weimar entstanden sein. In vielen Fällen gibt es mehrere ältere Lesarten, beispielsweise sind die beiden letzten Sätze auch im „Orgelbüchlein“ enthalten.
Wie immer schrieb Bach nicht nur ab, sondern nutzte die Gelegenheit zu zahllosen Detailverbesserungen. Das Manuskript beginnt in fester, sicherer Schrift, die aber – wohl wegen Bachs Augenleiden – zunehmend unsicher und zittrig wird. Die letzten drei Sätze wurden von Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol geschrieben.
 
Für den 1. Teil der „Leipziger Choräle“ hat Kuhlo im Unterschied zu der Anordnung im Bach´schen Autograph die einzelnen Werke nach dem Kirchenjahr zusammengestellt und beginnt somit mit den adventlichen, dann weihnachtlichen und schließlich den Liedbearbeitungen, die der Passionszeit (Leidenszeit Christi) zuzuordnen sind. Damit folgt er Bachs eigener Anordnung im „Orgelbüchlein“ und verspricht sich dadurch, den Zuhörer sinnvoll durch diesen Kosmos der Bach´schen Kunst zu führen, so dass ein Staunen über die Schönheiten dieser Musik bestens möglich wird.


Alexander Kuhlo

HINDEMITHS ORGELSONATEN in der 134. "Stuttgarter Orgelmatinée" in Zuffenhausen - Orgel- und Vokalmusik der "Klassichen Moderne" in der Musik

Gemeinsam mit dem Stuttgarter Bassisten Kai Preussker wird Dekanatskantor Alexander Kuhlo am 28. Januar um 11 Uhr in der Pauluskirche Zuffenhausen die bisherige Stuttgarter Orgelkonzertreihe "Stuttgarter Orgelmatinée" mit dem 134. Konzert fortsetzen und hat sich dafür Musik des deutschen Komponisten PAUL HINDEMITH (1895-1963) ausgesucht:

zum einen die "Sechs Lieder nach Gedichten von Friedrich Hölderlin für tiefe Stimme und Klavier" (1933/35) - feinsinnige Liedkompositionen nach Gedichten des großen schwäbischen Dichters voller Mystik und Geheimnis und zum anderen die Orgelsonaten I bis III (1937-40), welche Hindemith in seinem amerikanischen Exil in den USA während des 2. Weltkrieges komponierte, als er u.a. einen Gastprofessur an der berühmten Yale-Universität, seine einzigen größeren Werke für das königliche Instrument, voller Tiefe und Wehmut über die verlorene Heimat, in welcher seine Musik als "entartete Kunst" von den Nazis offiziell verfemt war.

Die vielfältigen Klangfarben der großen Mühleisen-Orgel sind geradezu prädestiniert dafür, die abwechslungsreiche, farbige und einmalige Tonsprache dieses wichtigen Komponisten des 20. Jahrhunderts dem Hörer ins Herz zu musizieren. Bei den Lieder wird Kuhlo die Begleitung am klangvollen Schimmel-Klavier interpretatorisch darstellen und somit für instrumentale Abwechslung sorgen. Eine noch offene Idee ist die Illumination der Orgel mit farbigem Licht in Anlehnung an die besondere Farbigkeit der Hindemith´schen Musik.

Der Charakter der drei Orgelsonaten ist sehr unterschiedlich: während die Sonate I in ES majestätische, kraftvolle Töne anschlägt, bezaubert die Sonate II in G mit lichtvoller Heiterkeit und Humor (insbesondere in der Schlussfuge) und Orgelsonate III in AS nach alten deutschen Volksliedern atmet einen Hauch von Wehmut nach der biografischen, aber vor allem geistigen Heimat Hindemiths, die er auf Zwang der Nazis verlassen musste "in tempore belli".

Die Zuhörer dürfen sich auch ein spannendes Konzert des neuen Formates "ORGEL PLUS..." - BASS freuen, die Kuhlo für das Jahr 2018 vorgesehen hat. Das nächste Konzert findet dann am 18.3. 2018 um 11 Uhr statt.

Der Eintritt ist frei - am Ausgang wird eine Spende für die Kirchenmusik in Zuffenhausen erbeten.

Alexander Kuhlo

 

Das erste Kantorenjahr in Gemeinde, Dekanat und Kirchenkreis

»Bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den blauen Himmel unverstellt, herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen.«
Mit Worten des schwäbischen Dichters Eduard Mörike beginne ich in den sonnenglühenden Herbsttagen meinen Rückblick auf das vergangene Jahr gemeinsamen Musizierens in unserer Kirchengemeinde.
Als ich im September 2016 bei Ihnen, liebe Zuffenhäuser Gemeindeglieder, nach fast fünf Jahren als Kreiskantor im ländlichen Westerwald meinen Dienst als neuer Dekanatskantor in der Nachfolge von Hans-Rudolf Krüger antrat, traf ich zum einen auf vielfältige berufliche Herausforderungen, aber vor allem auch auf Sie, die musikbegeisterten und musikliebenden Menschen in allen kirchenmusikalischen Ensembles und in der Gemeinde.
Seither strebe ich mit Ihnen bewusst das an, was auch meinem großen Vorbild im Kantorenamt, Johann Sebastian Bach, in seinem »Entwurf einer wohlbestallten Kirchenmusik« von 1730 wichtig war: eine
Kirchenmusik, die sich einerseits an den liturgischen Gegebenheiten vor Ort, den Bedürfnissen der Menschen in der Gemeinde und den Vorstellungen der vorhandenen Pfarrerschaft orientiert. Aber nicht zuletzt versucht sie auch immer wieder neu, den hohen Qualitätsmaßstäben, für die Bach zeitlebens eingetreten ist, gerecht zu werden.
Ein großer Schatz der Kirchenmusik in Zuffenhausen ist das vorhandene Instrumentarium, allen voran die große Mühleisenorgel: ein Meisterinstrument, welches ich seitdem versucht habe, in den zahlreichen Orgelmatineen und unterschiedlichen Gottesdiensten angemessen zum Klingen zu bringen. Im neuen Jahr möchte ich mit dem Themenkonzept »Orgel Plus ...« (Instrument oder Singstimme) noch mehr Menschen dafür gewinnen, den wunderbaren Klangfarben und dem tiefen Sinngehalt der Orgelmusik zu lauschen.
Dabei gilt für mich die Überzeugung des Malers Max Beckmann aus dem Jahr 1938: »Die Kunst dient der Erkenntnis, nicht der Unterhaltung.«
In diesem Sinne ist auch mein integraler Bach-Orgelkonzertzyklus zu verstehen, den ich seit Februar 2017 in der Johanneskirche gestalte und der 2018 seine kontinuierliche Fortsetzung erfährt. Immer wird dabei der interessierte, offene Zuhörer durch konzentrierte Einführungen eingestimmt, soll er doch selbst die Schönheiten dieser großartigen Musik erleben – wie Johann Nikolaus Forkel, Bachs erster Biograph, über die Bach’schen Triosonaten für Orgel schrieb: »Von ihrer Schönheit kann man nicht genug sagen.«
Charakteristisch und vielfältig zugleich ist die Fülle der unterschiedlichen Gottesdienstformen in Zuffenhausen, wenn ich an die vielen Themengottesdienste, mittendrin-Gottesdienste, musikalischen
Gottesdienste, Familiengottesdienste etc. denke, die ich seit her erleben und mitgestalten durfte.
Der größte Schatz sind für mich die Menschen in den kirchenmusikalischen Ensembles: die begeisterungsfähigen SängerInnen der Pauluskantorei, die BläserInnen im Posaunenchor, aber auch die Kinder im Dietrich-Bonhoeffer-Kinderhaus, wo ich allwöchentlich ein Singeangebot mache und dieses an die Kinder aus den verschiedenen Nationen und Religionen herantrage; darüber hinaus die alten Menschen im Samariterstift und nicht zuletzt Sie, die Gemeindeglieder an den drei Gottesdienstorten Paulus-, Johannes- und Michaelskirche.
Mein ganzes Engagement und künstlerisch-pädagogisches Können wurde im ersten Amtsjahr von den Menschen reichlich belohnt.
Dafür gilt es, einen herzlichen Dank auszusprechen, und zwar all denjenigen, die im vergangenen Jahr die Proben, Gottesdienste und Konzerte so fleißig und begeistert besucht und damit deutlich gemacht haben, wie wichtig, wie wesentlich, wie wunderbar evangelische Kirchenmusik auch heute – rund 270 Jahre nach Johann Sebastian Bach – Menschen für das Evangelium Jesu Christi zu gewinnen vermag.
So werde ich auch in Zukunft weiter an meiner eigenen Form der Verwirklichung einer »wohlbestellten Kirchenmusik« im Sinne Bachs in Zuffenhausen arbeiten, immer im Dialog mit dem Dekan, den Pfarrern, den kirchenmusikalischen Ensembles und den Kantorenkollegen im Kirchenkreis Stuttgart, mit denen ich zusätzlich noch den Stuttgarter C-Kurs zur Nachwuchsförderung unterrichtend durchführe.
Die große Aufgabenfülle hier in Stuttgart, die Verantwortung für die Gemeinde und das Dekanat im Bereich der Kirchenmusik, der interreligiöse Dialog in Zuffenhausen, die Kooperation mit dem Kirchenkreis, aber auch die dafür notwendige Zeit der inneren Ruhe, kontemplativen Sammlung und eigenen Ausgeglichenheit sind und bleiben für mich auch nach einem Jahr im Amt weiterhin Herausforderung und Chance zugleich, die mein Leben reich machen und erfüllen.
Das gelingt am allerbesten, wenn Sie – egal ob haupt-, neben- oder ehrenamtlich Mitarbeitende oder auch jedes einzelne Gemeindeglied – mich dabei nach Kräften unterstützen und inspirieren, wie ich es bis dato schon oft erfahren durfte und hoffentlich zukünftig weiter erfahren werde.
Ich schließe meinen Rückblick mit einem Zitat von Johann Sebastian Bach, das den Sinn einer wahren und ausstrahlungskräftigen Kirchenmusik zeitlos umschreibt: »... damit diese eine wohlklingende Harmonie gebe zur Ehre Gottes und zulässiger Ergötzung des Gemüts ...!«
Auf gemeinsames Musizieren – SOLI DEO GLORIA – freut sich

Ihr Kantor Alexander Kuhlo

RUSSISCHE KLANGPERLEN IN DER „STUTTGARTER ORGELMATINÉE" 133

Einen besonderen Länderschwerpunkt hatte die inzwischen 133. Stuttgarter Orgelmatinée am vergangenen Sonntag in der Zuffenhäuser Pauluskirche, zu der Dekanatskantor Alexander Kuhlo an der Orgel, gemeinsam mit seiner Frau Marit Kuhlo (Sopran) und der Pianistin Evgenia Sheykhet (Klavier) ca. 100 interessierte Zuhörer begrüßen konnte: RUSSISCHE MUSIK.

Mit einem fein ausgewählten, filigranen, aber zugleich klangprächtigen Programm, das seinen Bogen von romantisch angehauchten Kompositionen, wie den Liedern von Rachmaninoff und den von Bach inspirierten Choralvariationen eines Tanejew an der Orgel über moderne Härten und dissonante Akkordballungen bei den Klavierstücken Prokofiews und der orchestralen Passacaglia vonn Schostakowitsch aus dessen früher, damals schockierender Oper „Katerina Ismailova“ aus dem Jahr 1934 bis hin zu dem weltberühmten Jazz-Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch, dessen Melodie als Filmmusik bekannt wurde, reichte, begeisterten die drei Musiker ihr Publikum.

Die Verschmelzung der eigenen kulturellen Ideen und Volksliedmelodien mit den kompositorischen Errungenschaften der europäischen Kultur- und Kunstwelt – genau das machte den Reiz bei diesem Konzert aus, das durch seinen Abwechslungsreichtum von Orgelstücken, Liedern und Klavierstücken bestach.

Die klare Sopranstimme Marits Kuhlos und deren vorzügliche Aussprache dessen russischen Textes, aber auch das kristalline,. feinfühlige und zugleich dramatisch-impulsive Klavierspiel Evgenia Sheykhets ergänzten das sinfonische Orgelspiel von Alexander Kuhlo in bester Weise.
Lang anhaltender Applaus belohnte die Künstler für ihre gestalterische Leistung und es war erfreulich wahrzunehmen, dass sich unter den zahlreichen Zuhörern nicht wenige Russen befanden, die heute in Deutschland leben und dieses besondere Konzert keineswegs versäumen wollten.

Die nächste Orgelmatinée im Jahr 2018 findet am 28.1. 2018 um 11 Uhr in der Pauluskirche statt und leitet einen neue Thematik ein: ORGEL PLUS... -
der Reigen der sechs Konzerte beginnt mit Wetrken von Paul Hindemith, einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts in Deutschland, der leider auch wie so viele in der Nazizeit nach Amerika emigrieren musste und dort seine wunderbaren „Drei Orgelsonaten“ schrieb, die zusammen mit den „Hölderlin-Liedern“, gesungen vom Bassisten Christian Kuhlo aus Hannover, das Programm ausfüllen werden.

Herzliche Einladung dazu!

Neuer Bach-Orgelzyklus 2018 in der Johanneskirche

Zuffenhäuser Sommerserenade - ein Rückblick

Zur 27. Sommerserenade führte Dekanatskantor Alexander Kuhlo verschiedene Musikgruppen aus Zuffenhausen und weiteren Gemeinden zum gemeinsamen Musizieren zusammen und dirigierte schwungvoll: den Posaunenchor Zuffenhausen, die Singgruppe des Dietrich-Bonhoeffer-Kinderhauses, die Pauluskantorei und das Blockflötenorchester.
Der bunte musikalische Reigen dauerte weit über eine Stunde, aber die Zeit verging wie im Flug und die begeisterten Zuhörer spendeten großzügig für die Kirchenmusik und genossen das leckere Essen und die kühlen Getränke bei der anschließenden Hocketse.


Claudia Dicke und Margarethe Vaihinger

Konzertbesprechung – PASSIONSKONZERT „Crucifixion“ am Karfreitag (14.4.) in der Pauluskirche

Ein großer musikalischer Spannungsbogen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert erwartete die mehr als 300 Zuhörer in der sehr gut besuchten Pauluskirche in Zuffenhausen zum diesjährigen „Passionskonzert“.
Dekanatskantor Alexander Kuhlo und Chorleiterkollegin Irena Rafailoviene aus Weilimdorf leiteten gemeinsam ein 90-minütiges, spannungsgeladenes Chorkonzert ihrer beiden Chöre, das zusätzlich von Instrumentalisten des „Concerto Tübingen“, Mitgliedern des Posaunenchores Zuffenhausen, der Sopranistin Marit Kuhlo, der Organistin Evgenia Sheykhet und weiteren Mitwirkenden gestaltet wurde.

Nach modernen, dissonant gefärbten Orgelmeditationen anhand einzelner Stationen des Orgelzyklus „Der Kreuzweg“, den der französische Orgelmeister Marcel Dupré 1929 komponiert hat, folgte das erste große Chorwerk aus dem Reformatonsjahrhundert, ein Teil aus der „Johannespassion“ von Leonhard Lechner, einem der damals berühmtesten Chorkomponisten, den die beiden beteiligten Chöre stilsicher und mit dezenter Orgelbegleitung meisterten. Die Anwesenden wurden damit sofort in die Szenerie der alten und ewigneuen Erzählung von der Leidensgeschichte Jesu Christi hineingenommen.

Der nun folgende instrumentale Zwischenteil bestand aus einer Kombination von Pergolesi-Arien (aus dessen berühmtem „Stabat Mater“), wunderbar leuchtend mit stimmlicher Helligkeit und lyrischer Wärme gesungen von Marit Kuhlo (Sopran),  mit ausgewählten Sonaten aus den „Sieben letzten Worten Jesu am Kreuz“ von Joseph Haydn, tiefgründig und klangschön interpretiert vom Streichquartett des Orchesters „Concerto Tübingen“ (1. Violine: Nina Karmon).

Das Hauptwerk des Abends bildete danach auch den Schlusspunkt:

Paul Ernst Ruppels Passionsbetrachtung nach Spirituals „Crucifixion“ aus dem Jahr 1960 fesselte das Publikum mit seinem spannungsgeladenen Wechsel von gesprochenen und gesungenen Passagen, die in schneller Folge dem Zuhörer die bekannte biblische Geschichte ganz neu lebendig werden ließen. Sprecher Rudolf Guckelsberger und Vorsänger Hansjörg Meindl überzeugten in ihrem jeweiligen Part mit großem Ausdruck  und innerer Anteilnahme, die unmittelbar auf den Hörer übersprang.  Zwei Posaunen (Benjamin Kuehnel und Klaus Heckmann) und der Kontrabass-Solist (Claus-Justus Heine) begleiteten die holzschnittartigen, teils dramatischen, teils meditativ-betrachtenden Chorstücke, die der Chor fast auswendig und bestens vorbereitet zum Klingen brachte. Dirigent Alexander Kuhlo,der schon zu Beginn gemeinsam mit Orgelschülerin Evgenia Sheykhet die Dupré-Orgelmeditationen maßgeblich interpretiert hatte, schaffte es, der Musik Ruppels dramatischen Atem zu verleihen, so dass das Werk keinen der anwesenden Zuhörer unberührt ließ und mit seinem offenen Schluss schon auf das Ostergeschehen vorauswies.

Ein bewegendes Passionskonzert - jenseits der allseits bekannten gewaltigen Orchesterpassionen der Barockzeit dank außergewöhnlicher Leistungen aller Ausführenden!


Dekanatskantor Alexander Kuhlo
- 15. April 2017 -

Alexander Kuhlo stellt sich vor

© privat

Alexander und Marit Kuhlo

»Liebe Mitarbeiter am Psalm 150«
So pflegte mein in Bläserkreisen berühmter Urgroßvater, »Posaunengeneral« Johannes Kuhlo (1856-1941), die Menschen in seinem Umfeld gerne anzusprechen und wies damit gleich auf den geistlichen Auftrag seiner lebenslangen Bemühungen um die »musica sacra« hin, zumal auch die Blechblasinstrumente in diesem Psalm eine ganz besondere Rolle spielen.
So möchte ich zu meinem Dienstantritt auch Sie freundlich ansprechen. Als Urenkel von Johannes Kuhlo habe ich die Ehre, ab September zusammen mit meiner Frau Marit, die mich als Sopranistin in meiner kirchenmusikalischen Arbeit tatkräftig unterstützt, bei Ihnen in der Gemeinde und im Kirchenkreis Stuttgart in der Nachfolge von Hans-Rudolf Krüger als neuer Dekanatskantor wirken und leben zu dürfen. Welch eine Freude!
Aufgewachsen und studiert in Hannover, aus einem musikalisch vorgeprägten Elternhaus kommend, trat ich nach absolviertem A-Studium und weiteren Orgelstudien bei Prof. Daniel Roth (Paris, Frankfurt/Main) meine erste hauptamtliche Kantorenstelle in Reichenbach im sächsischen Vogtland an. Danach folgten Stationen in Göttingen als Kirchenkreiskantor mit Schwerpunkten in der C-Ausbildung und chorischer Projektarbeit, der Aufstieg in eine A-Stelle als Kreiskantor im Ev. Kirchenkreis Altenkirchen mit großen Chorkonzerten (Fauré-Requiem, Keiser-Weihnachtsoratorium, Puccini-Messe, Mozart- und Haydn-Messen und Rutter-Te Deum) und einem integralen Bach-Orgelzyklus. Nun, mit 45 Jahren, dürfen meine Frau und ich zu Ihnen in die Kirchengemeinde Zuffenhausen kommen. Ich freue mich auf die Begegnungen und die Zusammenarbeit. Dazu gehören natürlich die bestehenden Ensembles Kantorei und Posaunenchor, die Weiterführung der Konzertreihe Stuttgarter Orgelmatinee und die Tradition der Chorkonzerte am 2. Weihnachtsfeiertag,  diesmal mit einem Bach-Vivaldi-Programm. Aber nicht nur die sinnvolle Fortsetzung der Arbeit meines Vorgängers ist mir ein Anliegen, sondern auch das Setzen eigener musikalischer Akzente und Schwerpunkte im konzertanten Bereich sowie die musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zunächst einmal möchte ich jedoch eines – ankommen. Dazu gehören viele Besuche, das Gestalten der wöchentlichen Proben und Gottesdienste, Gespräche mit den Kollegen in den Gemeinden des Dekanatsbezirks und im Kirchenkreis u.v.m.
»Cantate et gaudete ad magnam gloriam Dei!« – Singet und freuet euch zur großen Ehre Gottes! Da ich meine kirchenmusikalische Arbeit vor allem als Dienst für Gott und an den Menschen verstehe, freue ich
mich darauf, dies nun mit Ihnen tun zu dürfen, und lade herzlich zum Mitsingen und Mitblasen in Kantorei und Posaunenchor ein. Meine Frau und ich sind im besten Sinne neugierig auf Sie und die Gemeinde.
Meine Frau arbeitet seit August beim katholischen Stadtdekanat und wird sich als Sängerin vielfältig in die Gemeindearbeit und bei Konzerten mit einbringen.
Es ist unser Wunsch, endlich im Leben da anzukommen, wo wir beruflich und privat eine Heimat finden können. Dieser Wunsch ist jetzt in Erfüllung gegangen.
Um mit einem Bach-Zitat zu schließen, welches mich sehr bewegt und berührt: »NB. Bey einer andächtig Musig ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart« (Notiz von J. S. Bach bei. 2. Chronik 5,13). Möge sich dies in meiner Stuttgarter Kantorenzeit immer wieder ereignen!


Alexander und Marit Kuhlo
September 2016