Impuls

»Alles muss klein beginnen – lass etwas Zeit verrinnen – es muss nur Kraft gewinnen – und endlich ist es groß.«
Dieses Lied von Gerhard Schöne hat uns diesen Sommer im Waldheim begleitet, als wir die Geschichte von Martin Luther gespielt haben.
Klein hat Martins Glaube wohl wirklich begonnen, noch als Mönch hat er riesige Angst gehabt vor dem großen und gerechten Gott. Er hat Zeit gebraucht, um durch viele innere und äußere Abenteuer Gott ganz anders kennen zu lernen – und daraus Kraft zu gewinnen, bis er endlich sagen konnte: Ich vertraue Gott in meinem Leben.
Und so ist tatsächlich Großes entstanden: die Reformation, deren Beginn 1517 wir dieses Jahr feiern.
Wir feiern aber nicht den großen Helden, sondern den Menschen Martin Luther. Er konnte in seinem Testament in seiner unverblümten Sprache schreiben:
»Gott, der Vater aller Barmherzigkeit, hat mir verdammten, armen, unwürdigen, elenden Sünder das Evangelium seines lieben Sohnes anvertraut.
Er hat mich auch treu und wahrhaftig im Evangelium gemacht, so dass viele in der Welt es durch mich angenommen haben.
Ich wurde zum Lehrer der Wahrheit, egal was Papst, Kaiser, Könige, Fürsten, Pfaffen und der Teufel davon halten.«
Und das ist ein wahrer Schatz, ein großartiges Vermächtnis, das Luther uns Christen hinterlassen hat. Denn er hält uns damit sozusagen einen Spiegel vor: Wie oft meinen auch wir, unser Glaube, unser Zutrauen sei so klein, arm, unwürdig. Lassen wir aber etwas Zeit verrinnen, stellen wir staunend fest, wie daraus etwas wächst und Kraft gewinnt. Indem wir nämlich durch unsere inneren und äußeren Abenteuer Gott neu entdecken, wächst unser Glaube.
Auch uns vertraut Gott das Evangelium seines lieben Sohnes an.
Und so liegt es auch an uns, diese frohe Botschaft weiterzugeben und weiterzusagen – in unserem Leben, in unseren Familien, in unserer Gemeinde, in unserer Stadt. Ganz im Sinne eines anderen Liedes, das die Kinder im Waldheim gern singen:
»Wir sind eingeladen zum Leben, unser Gastgeber ist Gott, ja Gott!
Seine Liebe will er uns geben, ist das nicht ein Angebot!«


Ihr Pfarrer Volkmar Rupp