Impuls

»Wer hat denn so etwas gedichtet, der kann doch gar kein Deutsch!«
Gemeint war das Lied »Ein feste Burg«. Und der etwas vorlaute, aber gescheite Viertklässler hatte ja recht. Burg ist feminin, »eine feste Burg« müsste es eigentlich heißen. Bei »ein gute Wehr und Waffen« dann großes Gelächter in der Klasse: Er macht jetzt eine Handbewegung, als hätte er ein Gewehr in der Hand. Singen kann manchmal recht anstrengend sein. Vor allem bei Liedern, die aus einer ganz anderen Welt zu kommen scheinen. Einen Versuch war’s trotzdem wert, beim Thema Martin Luther seine Hymne anzustimmen. Denn an und für sich singen sie ja gerne, die Kinder der Rosenschule. Am Anfang und am Ende des Unterrichts singen wir, begleitet von der Gitarre.
Und meistens sind sie mit Begeisterung dabei. Immer wieder bilden wir sogar einen interreligiösen Chor aus islamischen, katholischen und evangelischen Kindern.
Singen gehört wesentlich zum Glauben. Schon seit tausenden von Jahren singt die Gemeinde – die jüdische zuerst, die christliche hat sich ihr angeschlossen. Viele können nicht gut oder gar nicht singen.
Deshalb gibt es »Ich-kann-nicht-singen-Chöre«. Braucht es aber in einer Gemeinde nicht. Denn beim christlichen Singen entscheidet seit Urzeiten nicht die Qualität, da darf auch gekrächzt, gegrummelt oder schweigend mitgesungen werden. Wenn’s von Herzen kommt, ist es Gotteslob: doppeltes Gebet nach Augustinus, »wer singt, betet zweimal«.
In der Advents- und Weihnachtszeit gibt es viel Gelegenheit zum Singen. Danach geht’s aber weiter mit dem »Ich singe dir mit Herz und Mund«, beim 100. mittendrin-Gottesdienst etwa am 28. Januar, zu dem ich Sie heute schon einlade.


Pfarrer Dieter Kümmel