Evangelischer Krankenpflegeverein

Unsere Stunde hat 66 Minuten.
 
Eine gute Sache hat Tradition.
Der Evangelische Krankenpflegeverein Zuffenhausen wurde 1903 gegründet.
 

Der Verein hat es sich heute zur Aufgabe gemacht, die gute Sache weiterzuführen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Zukunft ihre diakonischen Auftrag wahrnehmen können.

 

Wir wollten Zeit schenken

 

In Zeiten knapper Kassen im Gesundheitswesen wollen wir ein Zeichen setzen, indem wir unsere Diakoniestation unterstützen. Die Pflegekräfte sollen mehr anbieten können als Pflege- und Krankenkasse zahlen. Sie sollen sich ein wenig Zeit nehmen für Menschen,

  • zu denen sonst keiner kommt,
  • die auf ein gutes Wort warten,
  • die einfach Hilfe brauchen.

Der Evangelische Krankenpflegeverein unterstützt ausserdem

  • die Alzheimergruppe,
  • die Gruppe pflegende Angehörige,
  • die ökumenische Hospitzgruppe.

Sie sind eingeladen die Arbeit des Krankenpflegevereins als Fördermitglied zu unterstützen!


Mit einem Jahresbeitrag von nur 20 Euro sorgen Sie dafür, dass sich unsere Pflegekräfte mehr Zeit nehmen können

  • für nötige Handreichungen
  • fürs Blumengießen
  • zum Zuhören und für ein Gebet

Adresse:


Evangelischer Krankenpflegeverein
Stuttgart-Zuffenhausen e.V.
Ilsfelder Str. 10
70435 Stuttgart

 

Tel: 0711 / 41 45 00-0

Fax: 0711 / 41 45 00 19

 

Konten:

  • Landesbank Baden-Württemberg, BLZ 600 501 01, Konto 2 443 256
  • Volksbank Zuffenhausen, BLZ 600 903 00, Konto 400 561 000

Neuer Vorstand

Bei der Mitgliederversammlung des Ev. Krankenpflegevereins Zuffenhausen wurde ein neuer Vorstand gewählt. Einstimmig wurden von der Versammlung Bärbel Schmidt,
Johannes Hessel, Birgit Freyer, Britta Rempis, Ruth Schwarz, Angelika Zöller und Jürgen Krüger für fünf Jahre in den Vorstand gewählt.
Zusammen mit Pfarrer Dieter Kümmel und Kirchenpfleger Matthias Essig leiten sie den Verein mit seinen 446 Mitgliedern, der die diakonische Arbeit in Zuffenhausen verantwortet: Neben der Besuchsdienstgruppe »Zeit schenken« unterstützt der Verein die Gruppe für pflegende Angehörige, den Kirchenschmaus, die Hospizgruppe, die Alzheimer-Betreuungsgruppe und die Diakoniestation. Aktuelles Projekt des Vereins ist ein gemeinschaftliches Grabfeld auf dem Friedhof Zuffenhausen.

Pfarrer Dieter Kümmel
Mai 2016

Einblicke in die 100-jährige Geschichte

»Am Donnerstag, dem 27. August, abends 8 Uhr, soll im Gasthaus zum Ochsen hier eine Hauptversammlung zur endgültigen Begründung des hiesigen Krankenpflegevereins gehalten werden...«.– diese Einladung, in Form eines Flugblattes unter die Bevölkerung gebracht, stand an der Wiege des Vereins. Die Pauluskirche war ein paar Monate vorher vom König eingeweiht worden. Nun packte der tatkräftige Pfarrer Seeger eine neue Aufgabe an. Mit einem »Flugblatt zur Belehrung der hiesigen Einwohner über den neu zu gründenden Krankenpflegeverein« versuchte er möglichst viele Zuffenhäuser zur Gründung des Vereins zu gewinnen.

 

Schon 20 Jahre vorher wurde allerdings für eine »geordnete Pflege der Kranken« durch Berufskrankenschwestern gesorgt. Ein Bezirksverein in Ludwigsburg war dafür zuständig. Da dieser jedoch mit Verlust arbeitete, übergab er 1897 die Verantwortung für Zuffenhausen dem hiesigen Ortsgeistlichen.

 

Pfarrer Seeger wollte den Verein nun auf eine breite, solide Basis stellen. So waren neben namhaften Persönlichkeiten wie dem Schultheiß Dr. Keck, Vertreter der Bürgervereine, der Ortskrankenkasse und der Gewerkschaften an diesem Abend anwesend. Auch der Zuffenhäuser Gemeinderat sicherte seine Unterstützung zu. Vom Mutterhaus (Karl- Olga-Krankenhaus) wurde versprochen, bei Bedarf eine Diakonisse zu schicken.

 

Eine Vereinssatzung wurde an diesem Abend aufgestellt. 1. Vorsitzender war Pfarrer Seeger, der dieses Amt bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahre 1917 innehatte. 2.000 Mark waren das Vereinsvermögen. Bald hatte der damalige Ortskrankenpflegeverein 300 Mitglieder. Der Mitgliederbeitrag betrug 2 Mark. Die Mitgliederversammlungen der ersten Jahre waren reine Männertreffen. Erst im Jahre 1906 vermerkte der Protokollant, dass Frauen erschienen waren, »was erfreute, zumal die Männerwelt wenig zahlreich war«.

 

Der Verein erlebte in den kommenden Jahren eine Blütezeit. Die Bevölkerung nahm dankbar die Arbeit der Schwestern an. Es gab in Zuffenhausen kein Krankenhaus und in der Stadt, die bereits 10.000 Einwohner hatte, nur wenige Ärzte. Bald wurde deshalb eine zweite, im Jahre 1907 eine dritte Krankenschwester angestellt. Für die rasch wachsende evangelische Bevölkerung war es eine Selbstverständlichkeit, Mitglied im Verein zu sein.
 
Überschäumender Nationalismus und Patriotismus erzeugten, als der Erste Weltkrieg ausbrach, eine wahre Kriegseuphorie. Auch der Verein war davon infiziert: Im Februar 1914 wurden als »Liebesgaben für die Aufmarschierten« 200 Mark bewilligt. Kein kleiner Beitrag, wenn man bedenkt, dass für eine Schwester damals 300 Mark im Jahr an das Karl-Olga Krankenhaus zu entrichten waren. Auch musste im Laufe der Kriegsjahre (1914-1918) auf eine Schwester verzichtet werden. Sie wurde infolge des Krieges zum Mutterhaus abberufen.

 

Nach dem Krieg versuchte der Gemeinderat von Zuffenhausen, alle Wohlfahrtseinrichtungen zusammenzufassen. Das wurde vom Vorstand mit dem Argument abgelehnt, dass bisher schon »zwei Mitglieder der bürgerlichen Kollegien von Amtswegen Sitz und Stimme im Ausschuss des Vereins« hätten. Der Verein erhielt einen jährlichen Beitrag aus der Stadtkasse, übernahm dafür aber als Gegenleistung die unentgeltliche Verpflegung der Ortsarmen.

 

In den Inflationsjahren stieg der Mitgliederbeitrag von 8 Mark (1921) auf 400 Mark (Januar 1923) dann auf 1.000 Mark (Februar 1923). Im Herbst 1923 war das Reich konkursreif. Menschen, die vor den Lebensmittelgeschäften standen, wussten nicht, wie viel ihr Geld noch wert war, wenn sie an der Reihe waren. Stündlich verlor die Mark an Kaufkraft. Das hatte dramatische Folgen für den Verein. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wurde wegen finanzieller Engpässe einberufen. In einem Protokoll vom ersten Vorsitzenden Pfarrer Lauxmann heißt es, dass man von jedem Mitglied 100 Millionen Mark nachfordern müsste. 25 Jugendliche des von Pfarrer Lauxmann gegründeten Jünglingsvereins sammelten das Geld ein. Die Stadt musste dem Verein stützend unter die Arme greifen. Die Krankenschwestern wurden zudem mit Naturalien versorgt.

 

Mit der Einführung der Rentenmark als Zwischenwährung am 15. November 1923 wurde die Inflation gestoppt, und die wirtschaftliche Lage begann sich zu stabilisieren. Bessere Zeiten brachen nun auch für den Verein wieder an. Allerdings gab es schon damals Unzufriedenheit darüber, dass die Mitgliederversammlung schlecht besucht sei. Deshalb sollte in Zukunft die Hauptversammlung durch einen Vortrag »angereichert« werden. Eine Tradition, die bis heute Bestand hat.

 

Die Technik machte sich nun auch bei der Arbeit der Krankenschwester bemerkbar, stieß aber anfangs auf wenig Resonanz. Der Vorschlag, den Schwestern ein Telefon einzurichten wurde vom Vorstand zunächst ebenso abgelehnt (1926), wie der Versuch, ihnen durch ein Fahrrad Erleichterung zu verschaffen. Im Jahre 1930 schien ein Umdenken eingekehrt zu sein: ein Fahrrad wurde angeschafft. Zwei Jahre später tauchte dann auch das Telefon in den Unterlagen auf. Gut Ding braucht eben Zeit.
 
Am 30. Januar im Jahre 1933 waren die Rechtsparteien am Ziel: Adolf Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt. Bei der Versammlung im Jahr 1934 war Begeisterung für die neuen Machthaber spürbar. »Das Jahr 1933 ist das Jahr der deutschen Wiedergeburt geworden. Dem deutschen Volk ist ein Führer geschenkt worden, der es vor dem völkischen Untergang bewahrt« mit diesen Worten wurde der Vorsitzende Pfarrer Zeller in der hiesigen Zeitung zitiert. Immerhin schien der Geistliche in seinem Jahresbericht auch die Satzung erwähnt zu haben, in der stand, dass der Verein seine Aufgabe darin sieht, »Kranken der Stadt ohne Ansehen der Person oder Religion« zu pflegen.

 

1936 kam Zazenhausen mit 65 Mitgliedern zum Verein dazu. Bald wird der Ruf nach einer eigenen Schwester laut, in »Neuwirtshaus sei schließlich auch eine Schwester stationiert«. Über die Jahre 1943-47 schweigen die Protokolle.

 

In den Nachkriegsjahren startete Dr. Werner eine Werbeaktion für den Verein, die sehr erfolgreich war. Es gab 1951 nahezu 3000 Mitglieder. Der Wohlstand meldete sich im Laufe der Jahre. Im Jahre 1956 werden zwei Motorfahrzeuge für die Schwestern angeschafft. Die Firma Kreidler stiftete ein Exemplar. 1960 rollte die erste Schwester im eigenen Auto an. Allerdings zeigten sich auch die Schattenseiten des Wirtschaftswunders.

 

Die Pflegeberufe standen nicht mehr so hoch im Kurs. 1955 kann das Mutterhaus keine Schwestern mehr abgeben, obwohl zwei von sieben Schwestern krankheitsbedingt aufhören mussten. Der Nachwuchs fehlte. Andere Berufe waren attraktiver. 1959 kündigte das Mutterhaus die Schwesternstation Zuffenhausen. Diese Entscheidung traf auf großes Unverständnis. 54 Jahre lang hatte es diese Einrichtung gegeben. 1961 kam der Verein dann wieder in finanzielle Schwierigkeiten: 13.000 DM Abmangel wurden vorausgesagt. Die Ursache lag in den steigenden Personalkosten. Neben einer kostengünstigen Diakonieschwester in Neuwirtshaus arbeiteten fünf freie Schwestern für den Verein. Ein Sonderopfer wurde nötig. Man trennte sich wieder von Zazenhausen. Im Jahre 1964 hatte der Verein 2.550 Mitglieder, die 10 DM pro Jahr Mitgliederbeitrag zahlten. Schon damals wurde geklagt, dass die Mitgliederzahlen sinken. Der natürliche Schwund durch Tod und Umzug wird auch heute noch durch die jüngere Generation nicht ausgeglichen.
 
1977 wurde die Diakoniestation gegründet. Sie umfasst neben der Krankenpflege und Altenpflege auch die Nachbarschaftshilfe. Grundlage für eine Station ist ein Wohnbereich von 20.000 Menschen. Deshalb schließen sich Zuffenhausen, Rot (ab 1979), Stammheim und Zazenhausen zusammen.

 

Im Jahre 1988 dann ein grundlegender Einschnitt in der Vereinsgeschichte: Wurden bis dahin Vereinsmitglieder kostenlos gepflegt – abgesehen von in früheren Jahren erhobenen minimalen Gebühren – mussten von nun an Pflegegebühren erhoben werden. Mit der neuen, am 13. Mai 1985 beschlossenen Satzung ist der Verein vom Träger- zum Förderverein der Diakoniestation umgewandelt worden.

 

Bis heute gibt es aber immer noch für Mitglieder verschiedene Vergünstigungen im Krankheitsfall, wenn Kranken- und Pflegekassen nicht zahlen. Neu hinzugekommen ist in den letzten Jahren die Förderung der Arbeit der Alzheimergruppe, der Gruppe der pflegenden Angehörigen und der Hospiz-Gruppe.

 

Kurzum: Der Krankenpflegeverein ist nach wie vor unersetzlich. Wie hat Pfarrer Seeger in seinem eingangs erwähnten Flugblatt geschrieben: »Es braucht für den Einsichtigen keine lange Auseinandersetzung darüber, dass jeder es nur gut mit sich und den Seinen meint, wenn er den Zweck des Vereins durch seinen Beitritt fördern hilft«.
 
 


Mehr zum Thema 
Diakoniestation
Diakonische Angebote
Adressen